Chronik des Harzklub-Zweigverein Lautenthal


Der Harzklub-Zweigverein Lautenthal wurde am 24. April 1887 als einer der ersten Zweigvereine im Harzgebiet gegründet.
Die Eintragung in das Vereinsregister beim Amtsgericht Clausthal-Zellerfeld erfolgte jedoch erst im Jahre 1925. Als Vorsitzende waren für die Vereine tätig: Bürgermeister Engelhardt (1887-1892), Bergfactor Greiffenhagen (1892-1905), Apotheker Dr. Prael (1905-1921), Bürgermeister König (1921-1925), Forstmeister W. Quickert (1925-1937), Postverwalter F. Oppermann (1937-1942), Bürgermeister F. Künstel (1942-1952), Konrektor E. Mehlig (1952-1965), Ingenieur H. Panse (1965-1968), Stadtdirektor W. Groeneveld (1968-1970), Oberforstmeister Dr. A. v. Kortzfleisch (1970-1990), Prof. Dr. H. Söchtig (1991-1999), H. Edert seit 1999, E. Bertram, M. Etzrodt.

Die Zahl der Mitglieder ist von 42 im Jahre 1894 langsam, aber kontinuierlich gestiegen. 1985 konnten im Rahmen einer breit angelegten Werbeaktion mehr als 30 neue Mitglieder gewonnen werden. Es besteht deshalb die Hoffnung, dass bis zur Hundertjahrfeier im Jahr 1987 eine Mitgliederzahl von 200 erreicht oder gar überschritten wird. Die 1951 gegründete Brauchtumsgruppe zählt bis zu 65 Mitglieder und hatte in den fünfziger Jahren ihre Blütezeit. Unter der Leitung von Konrektor Erich Mehlig, dem Komponisten vieler Heimatlieder, war sie über die Grenzen Lautenthals hinaus bekannt. Große Erfolge hatten auch mehrere von dem Heimatdichter Albert Pilz-Schottelius geschriebene und von ihm selbst inszenierte Theaterstücke. Nach dem Tod von Erich Mehlig übernahm 1965 der Mandolinen-Club Lautenthal, der zugleich koorporatives Mitglied im Zweigverein ist, die kulturellen Aufgaben der Harzklub-Heimatgruppe. Die besonders für Gäste veranstalteten Heimatabende und Konzerte erfreuen sich großer Beliebtheit. Aus der Naturparkarbeit (seit 1960) ist zu berichten, dass der Zweigverein 5 Fußgängerbrücken, 9 Schutzhütten, 11 Wanderer-Orientierungstafeld, 332 Ruhebänke und Sitzgruppen, 93 km Wanderwege, 6 Wandererparkplätze und etwa 400 Wegweiserschilder errichtet hat, bzw. betreut. Im Betreuungsgebiet liegt ferner die vereinseigene Wald- und Wandergaststätte "Maaßener Gaipel".

Die erste Wanderer-Schutzhütte wurde bereits 1894 auf dem Sternplatz zwischen Seesen und Lautenthal eingeweiht. Der Zweigverein hatte auch sofort nach der Gründung "seine Tätigkeit hauptsächlich auf die Verbesserung und den Ausbau sowie auf die Bezeichnung der vorhandenen Promenaden- und Touristen-Wege gerichtet". Schriftführer Kirchhoff berichtet 1890 ebenso über "böswillig abgerissene oder beschädigte Wegeschilder" wie über "die in jeder Hinsicht entgegenkommende Mitwirkung der hiesigen Köiglichen Oberförsterei bei Verbesserung der Wege etc." Diese Aussagen gelten uneingeschränkt auch noch für die heutige Zeit. (Nur die Königliche Oberförsterei wurde in ein Staatliches Forstamt umgewandelt).

Besondere Aktionen im Naturpark waren in den letzten 15 Jahren die Ausstattung des Uferbereiches der Innerstetalsperre mit Erholungseinrichtungen (1970), die Grunderneuerung der gesamten Wegebeschilderung nach einer neu erstellten Schilderkartei (ab1973), die Überarbeitung und Korrektur der Wanderkarten sowie die Begrünung der Preussag-Halden (1971-1972).

Die größte Anstrengung für den Zweigverein war jedoch die Aktion "Rettet den Gaipel". Am Nordhang des Kranichberges stand früher das Schachtgebäude (Gaipelhaus) der Grube "Maaßen", die von Anfang des 17. Jahrhunderts bis zum Jahre 1930 silberhaltiges Erz förderte. Der "Maaßener Gaipel" war wegen seiner landschaftlich schönen Lage schon im 19. Jahrhundert ein beliebtes Ausflugsziel. Bergleute unterhielten seinerzeit einen bescheidenen Bier- und Kaffeeausschank; auch weißes Wasser zum Aufbrühen mitgebrachten Kaffees wurde bereitet. Nach dem Abriß des alten Schachtgebäudes 1924/25 wurde die erste Waldgaststätte errichtet und vom Harzklub betreut. 1976 drohte die Schließung wegen verschäfter behördlicher Auflagen im Sanitär-Bereich. Der Zweigverein als Eigentümer rief deshalb zur Rettung des Maaßener Gaipel auf. Unter der organisatorischen Leitung des 1. Vorsitzenden wurde in zweijähriger Bauzeit der Maaßener Gaipel nach einem Entwurf des Architekten D. Bruns und unter der Bauleitung seines Vaters Otto Bruns erweitert und völlig neu gestaltet.
Die Beteiligten waren sich einig: Bis zur Wiedereröffnung am 25. Oktober 1979 war es ein sehr dorniger Weg mit schmerzvollen Hindernissen. Mehr als 1.500 freiwillige Arbeitsstunden wurden von Harzklubmitgliedern geleistet; die Finanzierung gelang mit Hilfe von Sach- und Geldspenden, Zuschüsse von Stadt und Landkreis, sowie durch den Einsatz von Vereinsrücklagen.

Unter den Besonderheiten der Vereinsgeschichte muss auch die enge Zusammenarbeit mit dem örtlichen Fremdenverkehrsverein erwähnt werden, die in der von 1950 bis 1980 bestehenden Personalunion bei den Vorstandsämtern und in den gemeinsam getragenen Aktivitäten wie Skilift, Kneipp-Tretbecken, Osterfeuer, Walpurgisfeiern und Wanderfibel ihren sichtbaren Ausdruck fand. Schließlich ist auf die Maßnahmen des Zweigvereins im Bereich der Heimatpflege und des Denkmalschutzes hinzuweisen. Dazu gehören die Erhaltung des Lautenthaler Meilensteins und die Gestaltung von historisch bedeutsamen Wanderzielen, z.B. die Lochsteine, der Luchsstein, der Feiheitsfelsen und die Kaiser-Wilhelm-Eiche, ferner die Restaurierung und Erhaltung des Schlackentaler Striegelhäuschens (1982-1983).

In den Jahren 1983-1985 war der Zweigverein (bislang als erster und einziger im Harzklub) Träger von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM). Mit dem Einsatz von 3 Arbeistlosen aus unserem Ort konnten zahlreiche Pflege- und Unterhaltungsarbeiten an Naturparkeinrichtungen sowie die Instandsetzung des Lautenthaler Kunstgrabens durchgeführt werden, dazu - in Zusammenarbeit mit Wolfgang Borges - zahlreiche Arbeiten zur Ausgestaltung des Besucherbergwerkes am Bergbaumuseum sowie zur Einrichtung des bergbaukundlichen Lehrpfades, die sich beide als besonders reizvolle Wanderziele auszeichen. Der Zweigverein ist auch Mitglied des Förderkreises für das Lautenthaler Museum.